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Die Einbrecher werden überrascht und geben auf

Die Einbrecher werden überrascht und geben auf
26. November 2012 admin

Der Aargauer Architekt August Scherrer ist bekannt für einbruchsichere Häuser. Im Interview sagt er, worauf es beim Einbruchschutz ankommt. Und er spricht über seine neueste Erfindung gegen Einbrecher.

Herr Scherrer, Sie haben regelrechte Eigenheim-Reduits realisiert. Was ist typisch für ein Scherrer-Haus?
Die gesamte Gebäudehülle wird so konzipiert, dass eine allfällige Täterschaft innerhalb von wenigen Sekunden ihr Vorhaben aufgibt. Einem Scherrer-Haus sieht man die Befestigung von aussen nicht an. Die Fenster und die Türen sehen gleich aus wie bei anderen, ungesicherten Häusern. Sobald aber ein Einbruchwerkzeug angesetzt wird, ist die Täterschaft überrascht. Dann bleibt es beim Einbruchsversuch. Die Täter ziehen weg.

Was ist das Besondere an den Fenstern und Türen Ihrer Häuser?

Zuerst stelle ich jeweils die Frage, auf welche Türen entlang der Aussenhülle die Bewohner verzichten können. Bei manchen Häusern sind Türen gewünscht, die betrieblich nicht erforderlich sind. Mit dem eingesparten Geld kann an anderer Stelle ein besserer Schutz realisiert werden. Die Türen müssen eine Mehrfachverriegelung haben. Der Verschluss soll mit einem einzigen Schlüsseldreh auf allen Seiten wirken. Die Schlösser sind mit aufbohrgesicherten Zylindern und widerstandsfähigen Schutzbeschlägen ausgestattet. Schliesslich haben die Türen mehrere Schichten: Sie bestehen aus Trennungsscheiben, Stahlplatten und massivem Holz. Bei den Fenstern wird Panzerglas eingesetzt. Fensterscheiben sind dann sicher, wenn sie 30 bis 50 Axtschläge aushalten. Dies entspricht dem Sicherheitsstandard eines Bankgebäudes. Bei Fenstern wird natürlich auch der aktuelle Wärmeschutz berücksichtigt. Je nach Kundenwünschen sind auch schusssichere Fensterscheiben und Panzerrollläden möglich. Alle in den letzten Jahren erstellten Häuser habe ich nach dem gleichen Vorgehen konzipiert

Was braucht es sonst noch für ein einbruchsicheres Haus?

Auch Kellerfenster und deren Lichtschächte müssen besonders gesichert werden. Die Erfahrung zeigt, dass die handelsüblichen Schlaufen, mit denen die Lichtschachtroste nach unten befestigt werden, nicht genügen. Die Kellerfenster in den Lichtschächten sollten mit besonderen Stahlprofilen geschützt werden, die auch von Akkutrennscheiben nicht durchschnitten werden können. Die gesamte äussere Gebäudehülle soll so konzipiert sein, dass die Täter keine Schwachstellen finden. Bei einem bestehenden Haus kann dieser Schutz nicht immer realisiert werden. Dann wählt man einen inneren Kern von Räumen, die besonders geschützt werden. Beispielsweise können die Schlafzimmertüren speziell gesichert werden. Präventive Wirkung haben Hauseingänge mit freier Sicht – wenn man erkennen kann, wer sich vor dem Haus aufhält.

In welchen Hausbereichen stellen Sie regelmässig Sicherheitsdefizite fest?
Viel gesündigt wird bei Türen, die von der Garage ins Haus führen. Solche Türen müssen genauso solid gesichert werden, als wären sie normale Hauseingänge.

Was kostet denn ein besserer Einbruchschutz?
Bei einem Neubau belaufen sich die Aufwendungen in der Regel auf ein bis zwei Prozent der Gebäudekosten. Die Verzinsung solcher Mehrinvestitionen ist oft geringer als die Kosten einer Alarmanlage. Zudem entfällt die Ungewissheit, ob bei einem Alarm überhaupt in angemessener Zeit Hilfe kommt. Professionelle Täter räumen bekanntlich in Windeseile das Passende weg und verschwinden. Alarmanlagen bringen nicht viel.

Wie oft ist es Einbrechern gelungen, in Häuser einzudringen, die Sie konzipiert haben?

Das ist ein einziges Mal passiert, in den Neunziger Jahren. Mein Fehler war, dass ich die Empfehlungen einer polizeilichen Beratungsstelle befolgt hatte. Anschliessend wurde eine Sicherheitstüre nach meinen Vorstellungen installiert. Die vermutlich gleichen Täter kamen ein Jahr nach dem Einbruch wieder – diesmal hatten Sie keinen Erfolg.

Haben Sie gerade ein neues Projekt am Laufen?

Seit einigen Jahren verschaffen sich Einbrecherbanden mit der Fensterbohr-Methode lärmfreien Zutritt in die Objekte. Die Täter bohren mit Akkumaschinen ein Loch in den Fensterrahmen, schieben ein Spezialwerkzeug durch und drehen den Fenstergriff. Damit ist nun aber Schluss. Ich habe in aufwendiger, jahrelanger Arbeit eine Erfindung entwickelt, die die Tätigkeit der Fensterbohrer verhindert. Dieses neue System ist unsichtbar, die Täter werden überrascht und geben auf. Der Einbau kann sowohl in bestehende als auch in neue Fenster und Fenstertüren eingesetzt werden. Das Interesse der Hausbesitzer an diesem neuen System ist enorm. Dieses ist im Oktober dieses Jahres in der Schweiz patentrechtlich geschützt worden. In Deutschland ist das Patent ebenfalls angemeldet.

Seit Jahren setzen Sie sich für einen besseren Einbruchschutz ein. Inwiefern haben Sie Gehör gefunden?

In den 30 Jahren, während denen ich auf diesem Gebiet tätig bin, hat sich das Interesse der Hauseigentümer für soliden Einbruchschutz ständig erhöht. Insbesondere nach dem Öffnen unserer Landesgrenzen, seit vermehrt Kriminaltouristen in unser Land kommen. Von den mehr als 2,5 Millionen Wohneinheiten in der Schweiz ist allerdings nur eine ganz geringe Anzahl mit ausreichendem Einbruchschutz gesichert. Vermutlich sind es höchstens ein bis zwei Promille, also etwa 25’000 bis 50’000 Häuser und Wohnungen.

Wie viel Sicherheit braucht eigentlich der durchschnittliche Schweizer?
Das Sicherheitsbedürfnis der Schweizer ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Leider werden aber vielerorts nur provisorische Zusatzvorrichtungen eingebaut. Diese bieten professionellen Tätern keinen erheblichen Widerstand. Ich stelle aber fest: Es gibt viele Hauseigentümer, denen die Sicherheit in den eigenen vier Wänden ebenso wichtig ist wie das Ersparte auf dem Bankkonto. Dann wird bester Einbruchschutz eingebaut. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

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